Vergleich

KanzKI oder Claude: Darf eine Kanzlei Claude nutzen, und warum bietet KanzKI es nicht an?

Was Claude von Anthropic in den Tarifen Free, Pro, Team und Enterprise mit Eingaben tut, was für Kanzleien zählt und warum KanzKI Claude nicht anbietet.

Wir sind der Anbieter von KanzKI. Dieser Vergleich kann deshalb nicht neutral sein, aber er kann ehrlich sein: Jede Aussage über den anderen Anbieter stammt von dessen eigenen Seiten, ist unten als Quelle verlinkt und trägt ein Datum. Wo der andere Anbieter vorn liegt, steht das da.

Stand · 8 Minuten Lesezeit · 8 Quellen

Claude ist der KI-Assistent von Anthropic, einem Unternehmen mit Sitz in San Francisco. Für Mandantenfragen kommt ein Verbraucherkonto nicht in Frage: Anthropic nutzt die Chats laut eigener Angabe zum Training, wenn der Nutzer das erlaubt, bewahrt sie dann bis zu fünf Jahre auf, und einen Vertrag nach § 62a StBerG gibt es für Privatkonten nicht. Geschäftskonten schließen das Training standardmäßig aus; was dann bleibt, ist der Vertrag, den Ihre Kanzlei mit Anthropic schließt, und die Frage, wo verarbeitet wird. KanzKI bietet Claude nicht an, aus einem Grund, der nichts mit der Qualität des Modells zu tun hat: Wir nehmen nur Anbieter auf, für die Zero Data Retention eingerichtet ist, die Verarbeitung in Europa feststeht und der Vertragstext geschrieben ist.

Was ist Claude?

Claude ist der KI-Assistent von Anthropic. Laut Datenschutzerklärung ist für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum die Anthropic Ireland, Limited in Dublin verantwortlich, außerhalb Europas die Anthropic PBC in San Francisco. Claude schreibt und überarbeitet Texte, fasst lange Dokumente zusammen, beantwortet Fragen und arbeitet in verbundenen Programmen. Es gibt Verbraucherkonten mit den Namen Free, Pro und Max sowie Geschäftskonten mit den Namen Team und Enterprise, dazu die Schnittstelle für Entwickler.

Bei den Verbraucherkonten hat Anthropic die Regeln 2025 geändert. Laut der Ankündigung und dem Privacy Center nutzt Anthropic Chats und Programmiersitzungen zum Training, wenn der Nutzer die Einstellung „You can help improve Claude“ erlaubt; dann bleiben die Daten laut Anthropic bis zu fünf Jahre im Trainingsbestand. Wer die Einstellung ausschaltet, dessen neue Chats werden nicht zum Training genutzt. Unabhängig davon nutzt Anthropic Chats, die seine Sicherheitssysteme als Verstoß einstufen, und Rückmeldungen über den Daumen-Knopf; gemeldete Inhalte bewahrt es laut eigener Angabe bis zu zwei Jahre auf, Rückmeldungen fünf Jahre. Gelöschte Chats verschwinden laut Anthropic innerhalb von 30 Tagen aus den Systemen. Inkognito-Chats werden nicht zum Training genutzt.

Bei den Geschäftskonten und der Schnittstelle nutzt Anthropic Eingaben und Ausgaben laut eigener Angabe standardmäßig nicht zum Training; Rückmeldungen über den Daumen-Knopf sind die Ausnahme, und der Verantwortliche einer Team- oder Enterprise-Organisation kann sie für alle Mitglieder abschalten. Zu Verarbeitung und Speicherung schreibt Anthropic in seiner Datenschutzerklärung, dass personenbezogene Daten auf Server in den USA oder in andere Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums übertragen werden, gestützt auf Standardvertragsklauseln; für Geschäftskunden gelten die jeweiligen Verträge. Eine Zusage ohne Speicherung gibt es laut Anthropic für Geschäftskunden über die Schnittstelle, nach Vereinbarung.

Der Vergleich im Überblick

KriteriumClaudeKanzKI
Wo werden Eingaben verarbeitet?Laut Datenschutzerklärung von Anthropic auf Servern in den USA oder in anderen Ländern außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums; für Geschäftskunden nach dem jeweiligen Vertrag.Die Dokumente liegen auf dem eigenen Server der Kanzlei in Deutschland. Für die Antwort gehen Frage und passende Auszüge an Mistral in Frankreich oder an OpenAI über die Europa-Region, also an Rechenzentren in Europa.
Werden Eingaben gespeichert oder zum Training genutzt?Free, Pro, Max: Training, wenn der Nutzer es erlaubt, dann bis zu fünf Jahre aufbewahrt; sonst kein Training, Chats bleiben bis zur Löschung gespeichert. Team, Enterprise: standardmäßig kein Training, Speicherung nach Vertrag.Nein. Zero Data Retention bei Mistral und bei OpenAI: Frage und Antwort werden nach der Antwort nicht gespeichert und nicht zum Training genutzt. Das steht so im Vertrag der Kanzlei.
Vertrag nach § 62a StBerGFür Verbraucherkonten nicht vorgesehen. Für Team und Enterprise gelten die Geschäftsbedingungen von Anthropic; ob die Belehrung nach § 62a StBerG enthalten ist, prüfen Sie am Vertragstext.Ja. Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO mit Verschwiegenheitsverpflichtung nach § 62a StBerG, öffentlich unter kanzki.de/avv; die Kanzlei stimmt beim ersten Anmelden zu.
Eigene Kanzlei-Unterlagen durchsuchbarDateien lassen sich in einen Chat hochladen, Programme lassen sich verbinden. Ein Archiv der Kanzlei nach Mandanten gibt es nicht.Ja. Kanzleihandbuch, Mandantenakten, Bescheide, Verträge und Tabellen, je Mandant ein Arbeitsbereich.
Fundstelle zu jeder AntwortBei hochgeladenen Dateien teilweise, bei Antworten aus dem Allgemeinwissen nein.Ja. Jede Antwort trägt Fußnoten auf Dokument und Seite; ein Klick zeigt die Stelle.
Amtliche Quellen (Gesetze, BFH)Aus dem Allgemeinwissen des Modells oder über die Internetsuche, ohne Garantie für den aktuellen Stand.Ja. Steuergesetze und Urteile des Bundesfinanzhofs liegen auf dem Server der Kanzlei und werden mit Paragraf oder Aktenzeichen zitiert.
Fachdatenbank eines VerlagsNein.Nein. KanzKI hat keine Kommentare und keine Verlagsinhalte.
DATEV-AnbindungNein.Lesend: Buchungsdaten eines Mandanten aus DATEV Rechnungswesen übernehmen und im Chat danach fragen. KanzKI schreibt nichts nach DATEV zurück.
Ein Zugang je Person, Team-VerwaltungIn Team und Enterprise ja, mit Verwaltung durch die Kanzlei; ein Verbraucherkonto ist für eine Person.Ja. Jede Person hat ihren eigenen Zugang, der Admin der Kanzlei lädt per E-Mail ein; Chats und Dokumente sind privat oder für das Team.
Sprachmodell dahinterDie Modelle von Anthropic, je nach Tarif.Wahl je Kanzlei: GPT-5.6 Sol von OpenAI über die Europa-Region oder Mistral Large von Mistral AI aus Frankreich. Claude wird nicht angeboten.
Preismodell in WortenJe Nutzer und Monat; Enterprise auf Anfrage.Ein fester Betrag je Kanzlei und Monat, nicht je Nutzer; Testphase vorab, Konditionen im Demo-Termin.

Wann Claude die bessere Wahl ist

Claude ist die bessere Wahl für Aufgaben ohne Mandantenbezug, bei denen es auf Sprache ankommt. Viele Nutzer schätzen Claude für lange Texte, für sorgfältige Formulierungen und für das Arbeiten mit umfangreichen Dokumenten; eine Vorlage für ein Rundschreiben, ein Entwurf für die Kanzlei-Website, eine Erklärung eines Begriffs für die Auszubildende sind Aufgaben, die Claude gut erledigt. KanzKI ist dafür nicht gebaut und bietet Claude auch nicht als Modell an.

Ehrlich gesagt gilt auch: Wir haben Claude in unserem eigenen Vergleich der KI-Modelle nicht gemessen und können deshalb nicht sagen, ob es bei Fragen zu einem Bescheid besser oder weniger gut antwortet als die beiden Modelle in KanzKI. Wer Claude als Modell will, findet es bei anderen Anbietern für Kanzleien, etwa über Plattformen, die es in Europa betreiben. Dort gilt dann deren Vertrag, nicht der von Anthropic.

Eine Kanzlei mit einem Enterprise-Vertrag, der die Speicherung regelt, die Verarbeitung festlegt und eine Verschwiegenheitsverpflichtung enthält, hat viele Fragen dieses Vergleichs gelöst. Was dann bleibt, sind die Unterlagen der Kanzlei und die Fundstellen.

Wann KanzKI die bessere Wahl ist

KanzKI ist die bessere Wahl, wenn die Frage einen Mandanten betrifft und die Antwort nachprüfbar sein muss. Die Dokumente liegen auf einem eigenen Server in Deutschland, der nur dieser Kanzlei gehört. Für eine Antwort gehen Frage und passende Auszüge an das gewählte Modell, in Rechenzentren in Europa, und danach wird nichts gespeichert, bei beiden Anbietern, zwischen denen die Kanzlei wählen kann. Jede Antwort trägt Fußnoten auf die Seite im Bescheid, im Vertrag oder im Kanzleihandbuch. Steuergesetze und BFH-Urteile werden mit Paragraf oder Aktenzeichen zitiert. Fristen in Bescheiden findet KanzKI und rechnet sie nach der Abgabenordnung, bevor ein Mensch sie bestätigt; Auswertungen kommen als Excel-Datei, Buchungsdaten aus DATEV.

Der Vertrag nach § 62a StBerG und Art. 28 DSGVO liegt fertig vor und steht öffentlich unter kanzki.de/avv. Er nennt die beiden KI-Anbieter mit Namen und Sitz, mit der Zusage Zero Data Retention und ihren Grenzen. Genau das ist der Grund, warum Claude dort nicht steht: Ein Anbieter kommt bei KanzKI nur zusammen mit seinem Vertragstext, der eingerichteten Zusage und dem Nachweis, wo verarbeitet wird. Welches der beiden Modelle in unserem Test genauer gearbeitet hat, steht im Leitfaden KI-Modelle im Vergleich.

Was Kanzleien oft übersehen

Die Einstellung. Bei einem Verbraucherkonto entscheidet ein Schalter in den Einstellungen, ob Chats zum Training genutzt werden und fünf Jahre bleiben. Wer Claude privat nutzt und ab und zu eine Kanzleifrage stellt, sollte den Schalter kennen. Besser ist, Mandantendaten gar nicht in ein Privatkonto zu geben.

Training ist nicht Speicherung. Ein Geschäftskonto ohne Training ist ein Fortschritt; die Chats liegen trotzdem bei Anthropic, bis der Vertrag etwas anderes regelt. Was die Zusage „Zero Data Retention“ bedeutet und wie Sie sie im Vertrag prüfen, erklärt der Leitfaden zu Zero Data Retention.

Der Sitz des Anbieters. Anthropic verarbeitet laut Datenschutzerklärung in den USA, gestützt auf Standardvertragsklauseln. Die Bundessteuerberaterkammer empfiehlt in ihrem FAQ, europäische Anbieter oder solche mit Rechenzentren in der EU zu bevorzugen. Wie Ihre Kanzlei das bewertet, ist ihre Prüfung nach § 62a Abs. 4 StBerG; dieser Vergleich ersetzt sie nicht.

Die stille Nutzung. Ein Verbot führt oft dazu, dass Mitarbeiter KI heimlich auf dem privaten Handy nutzen. Warum Verbote scheitern, steht im Leitfaden zur Schatten-KI. Die Schulungspflicht nach Artikel 4 der KI-Verordnung gilt für jedes Werkzeug; mehr dazu im Leitfaden zur KI-Kompetenz.

Wer prüft die Antwort. Weder Claude noch KanzKI ersetzen die Prüfung durch den Berufsträger. Der Unterschied liegt darin, wie leicht die Prüfung fällt: eine Fußnote auf Seite 3 des Bescheids oder eine Antwort aus dem Allgemeinwissen, zu der die Recherche erst beginnt.

Häufige Fragen

Trainiert Anthropic mit meinen Chats?

Bei den Verbraucherkonten Free, Pro und Max laut Anthropic dann, wenn Sie die Einstellung zur Verbesserung von Claude erlauben; dann bleiben die Chats bis zu fünf Jahre im Trainingsbestand. Wer die Einstellung ausschaltet, dessen Chats werden nicht zum Training genutzt. Bei den Geschäftskonten Team, Enterprise und über die Schnittstelle für Entwickler trainiert Anthropic laut eigener Angabe standardmäßig nicht.

Darf ich Claude für Mandantenfragen nutzen?

Mit einem Verbraucherkonto raten wir ab: Es gibt keinen Vertrag nach § 62a StBerG, und die Chats liegen bei Anthropic. Mit einem Team- oder Enterprise-Konto kommt es auf den Vertrag an, den Sie mit Anthropic schließen, und darauf, wo verarbeitet wird. Beides prüft Ihre Kanzlei, bevor der erste Mandantenname eingegeben wird.

Warum bietet KanzKI Claude nicht an?

Weil wir nur Anbieter aufnehmen, für die wir die Zusage Zero Data Retention eingerichtet haben, eine Verarbeitung in Europa nachweisen können und den Text für die Anlage zum Vertrag geschrieben haben. Das ist bei Mistral und OpenAI der Fall. Für Claude haben wir das nicht getan; der generische Entwurf dafür wurde nie ausgeliefert.

Ist Claude nicht das bessere Modell?

Viele schätzen Claude für lange Texte und sorgfältige Formulierungen, und in manchen Vergleichen liegt es vorn. Wir haben Claude in unserem eigenen Test nicht gemessen und machen darüber keine Aussage. Das stärkste Modell, das KanzKI anbietet, ist GPT-5.6 Sol von OpenAI über die Europa-Region; den Test dazu haben wir veröffentlicht.

Was speichert Anthropic bei einem Verbraucherkonto?

Laut Anthropic bleiben gelöschte Chats bis zu 30 Tage in den Systemen, erlaubte Trainingsdaten bis zu fünf Jahre, als Verstoß gemeldete Inhalte bis zu zwei Jahre, und Rückmeldungen über den Daumen-Knopf fünf Jahre. Inkognito-Chats werden nicht zum Training genutzt.

Quellen

  1. Anthropic Privacy Center: Is my data used for model training? (Verbraucherkonten, Stand 16. März 2026)
  2. Anthropic Privacy Center: How long do you store my data? (Verbraucherkonten, Stand 1. Juli 2026)
  3. Anthropic Privacy Center: Is my data used for model training? (Geschäftskonten, Stand 18. August 2026)
  4. Anthropic: Updates to Consumer Terms and Privacy Policy
  5. Anthropic: Privacy Policy
  6. Anthropic: Zero Data Retention für Geschäftskunden
  7. § 62a StBerG: Inanspruchnahme von Dienstleistungen
  8. BStBK: FAQ KI im steuerberatenden Berufsstand (Stand 27. Januar 2026)

Dieser Vergleich gibt den Stand vom 28. Oktober 2026 nach den öffentlichen Angaben der Anbieter wieder; Produkte ändern sich, und wir prüfen die Angaben regelmäßig nach. Er ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns an support@code15gmbh.de.

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